ENERGETIKhaus100

Gehört diesem Haus die Zukunft? Wenn es nach Soli fer-Chef Timo Leukefeld geht, ist die Antwort ein deutliches Ja. Rund 95 Prozent seines Energiebedarfs bezieht das Haus aus der Sonne. Den Rest besorgt ein Kamin.

aus: "Leipziger Volkszeitung - Wirtschaft" den 08. November 2005

Das Runde muss ins Eckige

In Berthelsdorf bei Freiberg entsteht ein Haus, das seine Energie fast nur von der Sonne, bezieht.

Warmes Herbstlicht fällt auf die hügelige Landschaft in der Nähe von Freiberg. Die Sonne zeigt selbst im angebrochenen November noch Ihre Kraft. Eine bessere Kulisse für das hier entstehende, so genannte Energetikhaus 100 hatten sich die Planer nicht wünschen können. Denn die Sonne spielt eine zentrale Rolle bei diesem Bau: Eine etwa 70 Quadratmeter große Kollektorfläche soll fast den gesamten Heizungs- und Warmwasserbedarf der künftigen Bewohner decken - das ganze Jahr über.
"In dieses Projekt sind eine ganze Reihe von Forschungsarbeiten geflossen", erzählt Timo Leukefeld, dessen Freiberger Firma Soll fer Solardach GmbH die Kollektoren aufs Dach bringt. Die "Sonnenfänger" sind in einem steilen Winkel von 70 Grad nach Süden ausgerichtet. So strahlt auch die niedriger stehende Wintersonne noch genügend ein". sagt Leukefeld.
Der erste Spatenstich ist gemacht, nun soll der Bau rasch vorankommen. Geht es nach den drei als Bauherren agierenden Firmen Soli fer, FASA AG Chemnitz (Flachs als Dämmstoff) und der EDER Ziegelwerke GmbH Freital, hat der Rohbau bis Weihnachten bereits seine Kollektorenfläche - und kann somit ab Januar, im kalten Winter, seine Funktionstüchtigkeit unter Beweis stellen. indem er sich ausschließlich dank Sonnenwärme aufheizt.
Damit alles auch so funktioniert, bedarf es aber nicht nur der Solarzellen. Vielmehr gilt beim Bau des energetischen Selbstversorgers eine Weisheit, die eher aus der "Sportschau" bekannt ist: Das Runde muss ins Eckige. Denn hinter der sichtbaren Kollektorfassade birgt das Haus sein entscheidendes Geheimnis im Inneren. Die Wohnfläche ist quasi um einen rund 28 Kubikmeter fassenden Wasserspeichertank gebaut, der mit Flachs bestens wärmeisoliert ist. Um den Speicher herum verlaufen Wände, mal im Winkel, mal der runden Form des Kessels angepasst, aber Immer integriert in die rund 135 Quadratmeter Wohnraum. Falls sich weniger sonnige Tage ankündigen, ruht in diesem Energiespeicher die "eiserne Reserve".
"Es ging uns vor allem um das Gesamtkonzept und in erster Linie um einen günstigen Preis", umreißt Leukefeld die Ausgangslage. 210 000 Euro müssen die Käufer für den Bau auf den Tisch legen, ohne Keller. Die kantig wirkende Fassado, die eckige Umgebung des runden Wasserspeichers ist dabei vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Doch das Potenzial ist da - das sagt zumindest Stefan Hein. Experte für Thermodynamik von der TU Bergakademie Freiberg. die mit zahlreichen Studenten maßgeblich an der Entwicklung des Energetikhauses beteiligt war. "Je schneller die Energiepreise steigen, umso größer dürfte die Nachfrage werden", erwartet er.
Leukefeld sieht im Spatenstich in Berthelsdorf nur den ersten Schritt - nicht nur, weil in den kommenden Tagen ein Zwillingsbau in Schwerin entstehen soll. Auch das nahe Ausland bietet in Leukefeids Augen genug Marktchancen. "In Österreich, der Schweiz, Italien, Polen oder den nordischen Ländern sind klimatisch gesehen beste Voraussetzungen für unser Haus" sagt er.
Ruhe ist vorerst nicht zu erwarten. So will das Firmen-Dreigestirn im nächsten Jahr den Europäischen Solarpreis gewinnen. Und in den nächsten zehn Jahren soll sich auch die Elektrik aus regenerativen Energien speisen.
Torsten Klaus

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