Deutscher Solarpreis 2006

Sächsisches Energetikhaus 100 erhält Deutschen Solarpreis

aus: LVZ, 11. November 2006

Sonniges Wohnen

Sächsisches Energetikhaus 100 erhält Deutschen Solarpreis

Das sächsische Energetikhaus100 könnte ein Exportschlager werden. Heute werden die vier Initiatoren - die Chemnitzer Fasa AG, die Solifer Solardach GmbH aus Freiberg, die Ziegelwerk Freital Eder GmbH und die TU Bergakademie Freiberg - in Heidelberg mit dem Deutschen Solarpreis 2006 ausgezeichnet .,Das wird dem Haus einen ganz besonderen Impuls verleihen, weil es dadurch eine Art Güteschutzsiegel erhält", sagt Timo Leukefeld, Geschäftsführer von Solifer. Zweieinhalb Jahre hatten er und seine Mitstreiter an dem Haus geforscht, ohne dafür staatliche Zuschüsse zu bekommen. Inzwischen sind zwei Häuser bei Chemnitz und Dresden fertig, die erste Familie ist Anfang Oktober eingezogen. „Sie haben noch nicht gefroren", sagt Leukefeld schmunzelnd.

Das Energetikhaus100 ist das erste Solarhaus, bei dem die Sonne ganzjährig 95 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser liefert. Die Bewohner kommen somit völlig ohne Gas, Öl oder Wärmepumpe aus. Herzstück des Hauses ist ein 28 700 Liter fassender Wasserspeicher, der in den warmen Monaten durch die Sonneneinstrahlung aufgeladen wird. Bis zum Beginn der kalten Jahreszeit müsse eine Temperatur an 90 Grad erreicht werden, so Leukefeld. Dies reicht dann aus, um den Wärmebedarf fast vollständig zu decken. Als Ergänzung gibt es einen Kamin, über den sowohl das Haus mit geheizt als auch der Speicher zusätzlich aufgeladen werden kann.

ENERGETIKhaus100
Das Energetikhaus100 kann 95 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser
aus der Sonne gewinnen.

Um die Sonnenwarme einzufangen, werden auf einer Fläche von 69 Quadratmetern Flachkollektoren auf dem nahezu senkrechten Südseitendach installiert. Die extreme Dachneigung von 68 Grad ermöglicht es der Anlage, auch im Winter die Strahlung der tiefer stehenden Sonne auszunutzen. Das Modell sei ein neuer Markt parallel zum Passivhaus, sagt Leukefeld. Denn im Gegensatz zu letzterem sei es aus reinen Naturstoffen mit Ziegeln gebaut und mit Flachs gedämmt. Das Energetikhaus lasse es damit zu, dass die Bewohner ohne künstliche Belüftung auskommen und je nach Bedarf die Fenster öffnen könnten. Für eine Kostenersparnis sorge zudem das Konzept, bei dem das Solardach die Dachziegel ersetzt.

Insgesamt wird das Energetikhaus zu einem Preis von 219 000 Euro angeboten. Es hat in seiner Basisversion zwei Etagen mit rund 130 Quadratmeter Wohnfläche. Die Raumaufteilung kann dabei je nach Wunsch vom Kunden festgelegt werden. Zudem ist ein Bau mit und ohne Kellergeschoss möglich. Allerdings muss für das Haus auch ein entsprechendes Grundstück zur Verfügung stehen. „Wir messen die Flächen, begutachten, ob die Verschattung einen Bau hergibt", so Leukefeld. Zum Teil biete die Fass AG eigene, schattenfreie Baugrundstücke an. Derzeit haben sich die vier Partner noch auf Sachsen beschränkt, wollen jetzt aber auch die bundesweite Werbung starten. Für das kommende Jahr seien zehn Häuser anvisiert, sagt der Solifer-Chef. Und weitere Projekte sind in Planung. So wolle man sich in der Forschung nun auch an ein Stromautarkes Haus heranwagen, kündigt Leukefeld an. Zudem sei angedacht, das Prinzip des Energetik-Einfamilienhauses auch auf Mehrfamilienhäuser und Gewerbegebäude zu übertragen. „Das wäre dann auf jeden Fall noch mal ein Novum."

von Sabine Schanzmann

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