Spatenstich für Solarhaus

Bürgermeister Peter Hönig, Ullrich Hintzen von der FASA AG, Timo Leukefeld von Soli fer sowie Hans Jürgen Hörnig von den eder Ziegelwerken (v.L.) setzten gestern den ersten Spatenstich für das Solarhaus.
Foto: Detlev Müller

aus: "FreiePresse" den 03. November 2005

Haus wird warm ganz ohne Gas und Öl

Drei sächsische Firmen bauen das „Energetikhaus 100" in Berthelsdorf- Nur im Notfall übernimmt ein Kaminofen die Wärmeversorgung

Ein Solarhaus, das ganz ohne Gas und Öl auskommt, wächst in den kommenden Monaten im Baugebiet "Talblick" in Berthelsdorf. Mit dem ersten Spatenstich ist gestem der Bau des "Energetikhaus 100" gestartet worden, das nach Aussage seiner Planer in dieser Form bisher einmalig ist. "Mindestens 95 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser liefert die Sonne, selbst im Winter" - verkündete Ullrich Hintzen, Vorstand der Chemnitzer FASA AG, die das Gesamtkonzept schrieb.
Beteiligt an der Entwicklung und am Bau des Hauses sind außerdem die Freiberger Solifer Solardach GmbH sowie das Ziegelwerk Eder in Freital, das einen Ziegel mit hoher Druckfestigkeit und verbesserten Dämmeigenschaften produziert. Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben durch die TU Bergakademie und die TU Chemnitz. Der Lehrstuhl Wärmetechnik der Freiberger Universitat wird nach Fertigstellung des Hauses kontinuierlich dessen Wärmebilanz verfolgen. Das Grundprinzip ist folgendes: Die je nach Jahreszeit unterschiedlich zur Verfügung stehende Sonnenenergie wird über einen rund 30 Kubikmeter umfassenden Wassserspeicher, der in der Hausmitte steht, ausgeglichen.
Die Solaranlage heizt den Speicher im Sommer auf, und in kalten und trüben Wintermonaten kann die Warme fur das Haus dann genutzt werden.
Kernstück für die Wärmelieferung ist eine rund 70 Quadratmeter große Kollektordachfläche. In einer Neigung von 70 Grad angebracht, kann sie Energie auch bei niedrigem Sonnenstand im Winter maximal nutzen. Die Planer haben auch an die Möglichkeit eines extrem kalten Winters gedacht und im Haus einen Kaminofen zur Holzfeuerung installiert, der neben der Wärmeabgabe im Wohnraum auch den Speicher wieder aufheizt. Unter den hiesigen klimatischen Bedingungen rechnen die Fachleute damit dass der Kamin selbst bei strengen Wintern nur wenige Tage benotigt wird.
Timo Leukefeld, Geschaftsfuhrer von Solifer, begründet den Zeitpunkt für den Bau eines solchen Hauses mit den explodierenden Gas- und Ölpreisen. "Solange diese Energien bezahlbar waren, lohnte es sich fur viele Bauherren nicht, mehr in ein Haus zu investieren" Immerhin würden die Baukosten bei diesem Solarhaus um 30.000 bis 40.000 Euro steigen. Insgesamt kostet es etwa 210.000 Euro.
Beim "Energetikhaus 100" wurden alle Moglichkeiten kombiniert, um Sonnenwarme zu nutzen. erklärten die Fachleute. So wurden die optimale Dachform, die Ausrichtung und Platzierung der Fenster genau berechnet. Zudem komme Flachs als Ökologischer Dämmstoff zum Einsatz der eine hohe Wärmedämmung besitzt. Schließlich habe man auf allen "Schnick-schnack" wie eine automatische Belüftung verzichtet. Im Frühjahr 2006 soll das Haus fertig sein.

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