aus: "Freie Presse Blick" den 16. März 2006
Heizung auf dem Dach fängt Sonnenlicht ein
Energetikhaus in Berthelsdorf soll im April fertig sein
Das derzeit in Berthelsdorf wachsende „Energetikhaus 100" hat gestern seine ersten Sonnenkollektoren bekommen. Läuft alles nach Plan, wird es am 27. April durch Sachsens Umweltminister Stanislaw Tillich eingeweiht. Den Sommer über steht das Haus für Besichtigungen offen, bevor es bezogen werden soll. Das von sächsischen Firmen und der TU Bergakademie entwickelte Haus fängt die Wärme der Sonne mit insgesamt 69 Quadratmetern Flachkollektoren ein und beheizt damit einen über drei Etagen reichenden Wasserspeicher. Die extreme Dachneigung von 68 Grad wird es der Anlage auch im Winter ermöglichen, die Strahlung der tiefer stehenden Sonne auszunutzen. Für Heizung und Warmwasserbereitung kann somit völlig auf Öl und Gas verzichtet werden.
Das Team der Freiberger Firma Soli fer, das für die Planung und Installation der Solarthermie-Anlage verantwortlich ist, hofft nun auf gutes Wetter: „Wir möchten so schnell wie möglich die Rohre der Kollektoren mit dem Speicher verbinden, um diesen bald beheizen zu können", erläuterte Geschäftsführer Timo Leukefeld. Wenn die äußere Hülle des Hauses fertig ist, wird der 7,30 Meter hohe Speicher einer Schweizer Spezialfirma mit 28.700 Litern Wasser gefüllt, das sich über den Sommer aufheizen und seine Wärme im Winter abgeben soll.
„Etwa Ende September wird die Höchsttemperatur von 90 Grad erreicht", denkt Leukefeld. Die im Wasser gespeicherte Sonnenwärme soll 95 Prozent der Heizung und des Warmwassers abdecken, die restlichen fünf Prozent steuert ein Kamin bei.
Federführend bei der Entwicklung des „Energetikhauses 100" waren neben der Soli fer GmbH die Chemnitzer FASA AG und das Ziegelwerk Eder Freital, das eine Dämmung aus Flachs und Seegras entwickelt hat. Die wissenschaftliche Betreuung übernahm das Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik der TU Bergakademie Freiberg. „Dieses hat das ganze Haus mit Messtechnik gespickt, die Daten über Wärmebedarf, Sonneneinstrahlung, Leistung und Temperaturen per Fernübertragung an die Uni schickt", informierte Leukefeld.
Neben dem Berthelsdorfer Haus errichtet die Fasa AG in diesem Jahr mindestens drei weitere „Energetik100 Häuser" in den neuen Bundesländern, berichtete Ullrich Hintzen vom Vorstand des Chemnitzer Bauunternehmens. „Es liegt aber auch schon eine Anfrage aus dem Raum München vor."
Ein Team des ZDF drehte gesternin Berthelsdorf einen Beitrag über die vier sächsischen Projektpartner und die Installation der Kollektoren für die Sendung „ZDF.umwelt". Die Folge, die sich mit alternativen Energieträgern beschäftigt, soll am 2. April ab 13.15 Uhr ausgestrahlt werden. Der Femsehbeitrag, so hoffen die Entwickler des Hauses, soll die Chancen für eine Bewerbung um den Europäischen Solarpreis 2006 erhöhen.
Von Claudia Hanisch
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