aus: "Freie Presse" den 22. Dezember 2005
Transporter hievt Riesenspeicher ins Haus
Energetikhaus in Berthelsdorf hat sein Herzstück erhalten - Gebäude kommt ohne Öl und Gas aus
Ein Schwerlasttransporter hat gestern das Herzstück für das in Berthelsdorf entstehende „Energetikhaus 100" angeliefert: Ein 7,30 Meter hoher Speicher, der 28.700 Liter Wasser fasst. Dieses wird im Frühjahr, Sommer und Herbst durch die 69 Quadratmeter große Solarkollektorfläche erwärmt und gibt in der kalten Jahreszeit Wärme ab.
Das von drei sächsischen Firmen und der Bergakademie Freiberg entwickelte „Energetikhaus 100" kann somit für Heizung und Warmwasser komplett auf Öl und Gas verzichten. „Für extreme Winter wird zusätzlich ein Kaminofen eingebaut, der über einen Wärmetauscher den Speicher wieder erwärmt", erläuterte Ullrich Hintzen von der Fasa AG Chemnitz, die gemeinsam mit der Freiberger Firma
Soli fer und dem Ziegelwerk Freital Eder das Haus entwickelte. Gedämmt werden sollen die Energetikhäuser und die Speicher mit Flachs.
Mit einem Energieverbrauch von etwa fünf Kilowatt pro Quadratmeter Wohnfläche liegt das Haus noch unter den Niedrigenergiehäusern. „Im Gegensatz zum Passivhaus wird es nicht luftdicht abgeschlossen", sagte Soli-fer-Geschäftsführer Timo Leukefeld.
Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik der TU Bergakademie Freiberg. In mehreren Diplomarbeiten wurden die einzelnen Komponenten vom Kollektor über den Speicher bis hin zu den Fenstern gegeneinander aufgewogen und in ihrer Dimensionierung berechnet. Durch eine Datenfernübertragung wird das Solarenergiehaus weiter von den Wissenschaftlern kontrolliert.
„Wir werden zusätzlich Messgeräte anbringen, um den Zustand der Komponenten zu überprüfen", erklärte Gerd Walter, der den Lehrstuhl für Hochtemperaturanlagen inne hat. „Sollte beim Bau oder durch das Nutzerverhalten irgend etwas schief gehen, können wir das feststellen. Natürlich wird das Haus auch weiter optimiert."
Neben dem Vorführhaus im Baugebiet „Talblick" in Berthelsdorf, das Ende Januar funktionsfähig sein soll, entstehen zwei weitere Häuser im Kurort Hartha und in Schwerin. Mit dem ersten fertigen „Energetikhaus 100" wollen sich die beteiligten sächsischen Firmen im kommenden Jahr um den Europäischen Solarpreis bewerben. (CHA)
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