Traumvorstellung kann Realität werden
Sächsische Firmen entwickeln „Energetikhaus 100" - Sonne liefert fast gesamte Energie für Heizung und Warmwasser
Ein Haus, das ohne Öl und Gas beheizt werden kann - eine Traumvorstellung? Durchaus nicht, auch wenn es das Projekt derzeit nur auf dem Papier gibt. Drei sächsische Firmen, die Chernnitzer Fasa AG, die Freiberger Firma Soli fer Solardach GmbH und das Ziegelwerk Eder in Freital, entwickelten das „Energetikhaus 100 ", ein neuartiges Solarhaus, das ohne Öl- oder Gasheizung auskommt und fast die gesamte Energie für Heizung und Warmwasser aus der Kraft der Sonne gewinnt. Der Grundgedanke: Mindestens 95 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser liefert bei diesem Haus die Sonne. Selbst im kalten erzgebirgischen Winter soll das funktionieren, meinen die geistigen Väter. Dies erreicht man, indem die Sonnenenergie des Sommerhalbjahres in einem Langzeitwärmepuffer bis in den Winter hinein gespeichert wird.
Die Chernnitzer Fasa AG hat als Bauunternehmen langjährige Erfahrungen sowohl beim Bau von Solarhäusern als auch hei der denkmalgerechten Altbausanierung aufzuweisen. So zeichnet die Firma u. a. verantwortlich für die Sanierung im Rittergut Lichtenwalde bei Chemnitz. Bei der Entwicklung des neuen Projektes wurde im Unternehmen Wert darauf gelegt, dass das Energetikhaus nicht nur gut aussieht und Komfort bietet, sondern darüber hinaus erschwinglich bleiben soll. An der Optimierung der technischen Parameter beteiligt sich auch die Bergakademie Freiberg mit wissenschaftlichen Arbeiten.
Die moderne und kompakte Solararchitektur des Hauses knüpft an den Bauhausstil an. Um Sonnenwärme zu nutzen, werden alle derzeit verfügbaren Möglichkeiten kombiniert. So wurden optimale Dachform, Ausrichtung und Platzierung der Fenster genau berechnet. Entwickelt wurden Varianten mit und ohne Keller. Die Basisversion geht über zwei Etagen und hat rund 140 Quadratmeter Wohnfläche.
Das Solardach und den Langzeitwärmespeicher plant und installiert die Freiberger Firma Soli fer. Das Prinzip: Die Sonne scheint auf die stark geneigte Süddachseite, welche komplett mit einem Solardach bedeckt ist. Dabei wird Wärme für die kalten Monate in einem Puffer gespeichert, der sich in der Mitte des Hauses befindet. Zum Bau und zur Dämmung werden Naturstoffe verwendet, das Haus kann somit gut „atmen" und auch problemlos belüftet werden. Der Puffer ist mit Flachs gedämmt, so dass man nur wenig, wenn überhaupt, nachheizen muss. Falls es tatsächlich mal sibirisch kalt wird, kann mit Holz geheizt werden.
Der beim Bau verwendete Flachs wird bei einer Tochterfirma der FASA AG nach einem neu entwickelten Verfahren verarbeitet und konfektioniert, Die Ziegel produziert das Ziegelwerk Eder in Freital mit dem Ton aus der im Werksgelände gelegenen Tongrube. Dieser Ziegel hat durch Mikroporen und ein spezielles Lochbild eine sehr hohe Druckfestigkeit und bessere Dämmeigenschaften, obwohl er leichter als seine Vorgänger ist. (Pl.)
SERVICE
Vorgestellt Wird das „Energetikhaus 100" auf der Messe „Haus 2005" in Dresden (Messe Dresden, 3. bis 6. März, geöffnet täglich 9 bis 18 uhr). Ein Vortrag über das Projekt als erstes Ganzjahressolarhaus findet während der Messe am 5. März um 13 Uhr (Erlweinsaal) statt. Informationen unter 0371/4 61 12 20 oder www.energetikhaus100.de
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